32017Mar

PMS – Prämenstruelles Syndrom und PMDD (Detail Text)

PMS – kann ein Leben grundlegend verändern!

Eine Patientin berichtet mir:

“Herr Doktor bin ich verrückt? Bestimmt stimmt etwas nicht mit mir! Ich kann die Uhr danach stellen und wenn es anfängt, weiß ich in vier Tage bekomme ich meine Tage! Ich werde unberechenbar, ich lache, 10 Sekunden später weine und schreie ich ohne Grund. In der einen Minute bin ich glücklich, in der nächsten Minute traurig oder wütend. Ich habe Rückenschmerzen, Blähbauch, ich fühle mich kraftlos schwach und müde und ich werde vergesslich. Und ich kann einen Berg Schokolade verdrucken.

Ich schreie meinen Mann oder die Kinder ohne Grund an und schimpfe mit ihnen. Das macht mich zu schaffen. Ich hasse mich dafür und es tut mir für meine Familie leid. Dann kommt meine Periode und am dritten Tag meiner Periode scheint alles wieder okay zu sein und alle sagen, sie können aufatmen. Das schlimmste jedoch ist: ich erinnere mich nicht, dass ich sie oft angefahren habe. Was ist los mit mir? Es ist die Hölle für mich! Ich werde so traurig und depressiv. Manchmal möchte ich lieber sterben”.

PMS ist eine Reihe von monatlich wiederkehrende Symptome die 5 -10 Tage vor der Regelblutung auftreten und meist bis ca. vier Tage nach Beginn der Periode anhalten.

Ca. 30% der Frauen zwischen 15 und 50 Jahren leiden an relevante PMS, obwohl bis zu 75% der Frauen einige diese Symptome regelmäßig manifestieren. PMS ist selten bzw. die Symptome sind weniger während einer Schwangerschaft und in der Menopause.

Eine sehr schlimme Ausprägung von PMS wird als PMDD (PräMenstruelles Dysphorisches Syndrom) bezeichnet. Näheres hierzu später.

Sowohl PMS und PMDD sind schlimme ausgeprägte Störungen, die noch nicht gänzlich verstanden werden. Deshalb ist die Therapie sehr vielfältig und schwierig.

Es ist närrisch sich über PMS lustig zu machen oder eine Frau mit PMS zu belächeln. Denn PMS zerstört häufig die schulische und Arbeitsleistungen. Es macht Beziehungen und Freundschaften kaputt und verschlechtert das Wohlbefinden und Lebensqualität der Patientin und ihre Partnerschaften.

Grundlage diese Erkrankung scheint eine hormonelle und Ernährungsdysbalance und ein Mangel an bestimmten Nährstoffen.

Wenn eine oder mehrere dieser Symptome regelmäßig über mindestens DREI Zyklen ca. sechs Tage VOR Ihrer Periode auftreten und spätestens mit Beendigung der Periode aufhören, dann müssen Sie dringlich auch an PMS denken:

 – Wutanfälle, Aggressivität, Gereiztheit, Nervosität, Weinerlichkeit

– Konzentrationsstörungen, Müdigkeit, Schläfrigkeit, Depression

– Angstzustände, Angst vor Kontrollverlust,

– Bauchschmerzen, Bauchkrämpfe,

– Blähbauch, Wassereinlagerung, Gewichtzunahme

– Rückenschmerzen, Kopfschmerzen

– Launenhaftigkeit, Streitsüchtigkeit, Aufgewühltheit

– Brustspannung, Hautveränderungen

– erhöhte / verminderte Durst / Hungergefühle

– Lust auf Zucker (Süßes)

 

Wenn mindestens eins von vier unten aufgelisteten Symptome und noch vier weitere Symptome aus der obigen Liste auftreten regelmäßig und zyklisch höchstens zwei Wochen vor der Menstruation auftreten und spätestens mit Beendigung der Menstruation verschwinden – dann leidet die Patientin wahrscheinlich an PMDD:

  1. ausgeprägte Launenhaftigkeit
  2. ausgeprägte Gereiztheit
  3. ausgeprägte Depression
  4. ausgeprägte Angstzustände

Diese Patientinnen brauchen Hilfe. Sie fühlen sich wertlos, hilflos und teils sehr suizidgefährdet. Die Patientin ist grundsätzlich nicht psychisch krank. Sie ist weder Bipolar noch Borderline Patientin! Allerdings beim Vorliegen psychischer oder psychologischer Problem / Krankheit kann sich das PMS / PMDD bei dieser verschlimmert.

 

Therapieansätze:

Nicht ärztliche bzw. Selbsttherapie:

– frisches Obst und Gemüse evtl. dunkle Schokolade oder Zucker aus Obst v.a. Bananen

– kein Fastfood oder “industriell verarbeitetes” Essen oder Getränke

– keine Hungerkuren! regelmäßig und ausreichend trinken und essen

– (Natur) nicht gesüßte Joghurt, Nüsse, Omega 3 Produkte

– Bewegung,  Aerobic Übungen, Sport generell und frische Luft und Sonne

– lernen Sie Ihre Krankheit kennen und planen Sie Ihr Leben entsprechend: z.B. keine

Ausflüge oder Verabredungen mit Kollegen /Bekannten die Ihre vorübergehende

Launenhaftigkeit nicht verstehen oder gar stark kritisieren.

– regelmäßiger Sex schüttert Glückshormone aus: Endorphinen, Serotonin, Oxytocin etc.

– Stressreduktion, weniger Kaffee und Alkohol trinken.

– Partner einbinden und sich selbst kennenlernen. Ihre Krankheit nicht für Ihre schlechtes

Manieren missbrauchen!

– Erholungsmassage, mehr Schlaf oder Meditation

– Gespräche mit guten Vertrauten

 Bei mildem oder moderate PMS ist es wahrscheinlich sinnvoller die nicht-medikamentöse Therapie zu wählen. Denn ALLE Medikamente haben Nebenwirkungen und einige Nebenwirkungen können manchmal schlimmer sein als die eigentlichen Symptome der Krankheit.

Therapie soll individuell angepasst sein. Sprechen Sie mit einem Frauenarzt Ihres Vertrauens!

 Therapieansätze unter ärztlicher Aufsicht bzw Betreuung

– Vitamin- und Nährstoffergänzung z.B. Magnesium, Kalzium, Eisen, Vit. B

Omega 3 Produkte, Vit. D und Licht-(therapie)

– Ingwer(tee) , Mönchspfeffer(tee), Pfefferminz(tee) etc.

– Gesprächstherapie

– Schmerzmittel z.B. (NSAID, Cox-Hemmer)

– Hormonelle Therapie z.B. Pille, evtl. nur Östrogenpflaster, selten und bei schlimmen PMS:

GnRH- Analoga

– zeitweise Antidepressiva der SSRI Gruppe

– Hormonspirale plus Östrogenpflaster

 

An den Ehemann, den Freund, den Partner und gar die männlichen Kollegen:

– sich nicht über PMS/PMDD lustig machen

– die emotionale Achterbahn sind auch für Sie strapazieren.

– diese Störung wird Ihnen oft und regelmäßig fast unvorstellbares Opfer abverlangen. Sie laugt aus und kann wirklich strapazierend sein.

– Versuchen Sie diese Launenhaftigkeit, Wutanfälle und Anschuldigungen während dieser Zeit nicht persönlich zu nehmen.

– Lassen Sie nichts an Sie ran kommen.

– Sie brauchen ihr meist nur zuhören ohne Lösungen oder Vorschläge machen oder ihr zu verurteilen. Sie möchte meistens nur Luft rauslassen. Sie können Ihre Partnerin nicht in Ordnung bringen. Also versuchen Sie es nicht. Auch die gutgemeinte Ratschläge verschlimmern oft die gegenwärtige Situation. Unterstützung Sie sie: ihr Lieblingsschokolade (dunkel) oder Obst oder Nüsse bereit zu halten.

– Planen Sie während der PMS/PMDD freien Phasen die anderen Therapieansätze gemeinsam und helfen Sie ihr diese durchzuziehen.  – Informieren Sie sich über das Thema PMS / PMDD von seriösen Quellen

– Führen Sie ein PMS/PMDD Kalender bzw Tagebuch Ihres Partners

– Planen Sie keine Urlaube, Auszeiten, Feier während diesen Phasen.

– Unterstützen Sie Ihrer Partnerin durch die Therapieansätze: physische Aktivitäten, Ernährungsumstellung, ggf. Medikamententherapie

– Lassen Sie sie mit einem Gesprächtherapeut wie uns auch gerne gemeinsame Gesprächssitzungen durchführen.

– Für Ihre Beziehung ist es ein schwieriger, steiniger aber überwindbarer Weg. Es lohnt sich!

Die meisten Scheidungsvorstöße durch Frauen werden während PMS / PMDD Episoden undiplomatisch dem Partner beigebracht. Wohlwissen dass den Entschluss zur Scheidung vielfältige Gründe hat, ist es sehr ratsam solche Vorstöße zur Trennung oder Scheidung nicht zu ernst zu nehmen. Jedoch sollten Sie sie ernst nehmen um gemeinsam mit einem Frauenarzt und Therapeut zu sprechen. Rufen Sie uns an. Wir sind gerne für Sie da.

Unten ist ein Video
https://www.youtube.com/results?search_query=dr.+siewe+pms



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